FRAUENNETZWERK FÜR POLITIK, KULTUR & SOZIALES

Begrüßung zur 1. Fachtagung im November 2001:
"Demokratie jetzt!"

Liebe Sigrid Höhle, sehr geehrte Damen und Herren der BVV, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der heutigen Fachtagung "Demokratie jetzt!" - Aktuelle Widerstandformen gegen Rechtsextremismus für Charlottenburg-Wilmersdorf, liebe Gäste der 1. Staatlichen Fachschule für Sozialpädagogik, der AG Mädchen und junge Frauen nach KJHG §78 des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, liebe Gäste des Charlotte-Wolf-Kollegs und des Jugendnetzwerkes Lambda Berlin-Brandenburg e.V., liebe Gäste von One by One (you're specially welcome), sowie vom Projekt Kinderwelten, liebe Referentinnen, Prof. Dr. Birgit Rommelspacher, Sylke Kirschnik, Petra Wagner, Prof. Dr. Christine Holzkamp,

Judith Jannberg sagte vor zehn Jahren anlässlich eines Vortrages hier in Berlin:
Es ist so wichtig,
in der Dunkelheit ein Licht zu entzünden.
Nicht nur, weil wir dann besser sehen können,
sondern vor allem deshalb,
weil wir dann für andere sichtbar werden...

Und eben in diesem Sinne ist es mir eine außerordentlich große Freude, Sie alle heute und hier so überaus zahlreich in der Aula der Volkshochschule Charlottenburg-Wilmersdorf begrüßen zu dürfen.
Dass wir im Kreise dieser beeindruckenden Zahl von Teilnehmenden zusammentreffen, konnte nur durch das Zusammenwirken vieler engagierter Menschen ermöglicht werden.

Allen voran möchte ich Sigrid Höhle (Volkshochschule Charlottenburg-Wilmersdorf) von ganzem Herzen für ihre spontane, so überaus bereichernde und im Ergebnis äußerst fruchtbare Zusammenarbeit - von der ersten Stunde an - danken! Ich habe viel gelernt durch sie!
Es ist stets ein besonderer Glücksumstand, wenn Menschen aufeinander treffen, die nicht nur gemeinsame Ideen miteinander teilen sondern die darüber hinaus auch noch Freude an der tatsächlichen Umsetzung dieser Ideen empfinden. Und diese Gemeinsamkeit konnten wir von eben dieser ersten Stunde an miteinander teilen.

Dieses erste Treffen fand statt am 8. März dieses Jahres, am Internationalen Tag der Frau.

Mit diesem Tag begann ein geschäftiges Treiben, das sich sehr gut mit der umgedichteten Liedzeile: "Wir tagen in der VHS, - und wer tagt mit?" zusammenfassen ließe.
Woche für Woche, Monat für Monat haben wir an Konzept und Ausgestaltung der heutigen Fachtagung gefeilt. In Karin Weimann, Leiterin des Fachbereichs Politik und Sozialkunde an der 1. Staatlichen Fachschule für Sozialpädagogik und Gabriele Hubert-Taddiken, Geschäftsführerin der AG Mädchen und junge Frauen nach §78 KJHG fanden wir alsbald tatkräftige Unterstützung, wofür ich auch ihnen meinen ausdrücklichen und herzlichen Dank aussprechen möchte!

Sehr bald schon richteten wir eine Vorbereitungsgruppe ein, der auch Rainer Pabst-Wolter vom Charlotte-Wolf-Kolleg, Ammo Recla vom Jugendnetzwerk Lamda Berlin-Brandenburg, Rosemarie Koester-Nierhoff und Uwe Dischereit von der 1. Staatlichen Fachschule angehörten, ebenso wie Lilo Eick, Miccaela Potter-Dulva und Ingeborg Siozos von Ta Tzitzikia e.V..
Die beiden zuletzt Genannten waren und sind heute für die Pressearbeit verantwortlich. Doris Gläser und Lilo Eick werden die Stunden im Plenum mit der Videokamera aufzeichnen, Monika Wolke wird die Ergebnisse der Fachforen am Ende der Veranstaltung auf eine gemeinsame Folie bzw. zu Papier bringen, damit Sie dieses als Konzentrat der heutigen Tagung gleich mit nachhause nehmen können. Allen eben Genannten möchte ich auf diesem Wege meinen Dank aussprechen!

Meine letzte Danksagung möchte ich gerne an jene Institutionen richten, die die Finanzierung dieser Tagung übernommen haben, ohne die wir diese Veranstaltung weder in der Größenordnung noch in der fachlich so kompetenten Besetzung hätten ausstatten können.
Mein Dank gilt natürlich der Volkshochschule Charlottenburg-Wilmersdorf, die finanzielle Mittel, Ausstattung, ja ihre gesamte ihre Verwaltung bereit gestellt haben, um den heutigen Tag zu ermöglichen und im Anschluss an die Tagung auch noch Saft und Sekt reichen werden, sowie dem Charlotte-Wolf-Kolleg, das uns heute seine Räume zur Verfügung stellt.
Mein Dank gilt dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, hier insbesondere der Abt. Jugend und Familie im Amt für Jugend- und Familienförderung. Neben großzügiger finanzieller Unterstützung des Amtes haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Rat und Tat u.a. die Gestaltung des Flyers vorangetrieben. (Ich weiß nun, wie schwierig es sein kann, Logos in ein fast fertiges Layout einzufügen, - und dass hierbei die Arbeit an unterschiedlichen Computern ein zunichte machen aller vorherigen Formatierungen wahrscheinlich werden lässt.)
Mein Dank gilt der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf, dafür, dass sie uns auf Antrag in rasanter Schnelligkeit so genannte "Sondermittel" für Honorare bewilligt haben.
Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem im Mai 2000 durch das Bundesinnenministerium initiierte Bündnis für Demokratie und Toleranz - Gegen Extremismus und Gewalt!
Hier kam der "Berg zum Propheten": über verschlungene Email-Kanäle erhielt das Bündnis von dem Vorhaben dieser Fachtagung Kenntnis und wandte sich seinerseits mit einem Kooperationsangebot an die Veranstalterinnen. Und es blieb nicht bei dem Angebot! Den finanziell weitaus größten Teil der Veranstaltung trägt das Bündnis für Demokratie und Toleranz. Wolfgang Arnold wird in seiner Funktion als Leiter der Geschäftsstelle des Bündnisses - heute im Anschluss an die Präsentation der Arbeitsergebnisse aus den Fachforen - das neue Charlottenburg-Wilmersdorfer Bündnis "Demokratie jetzt!" auf den Weg bringen. Darüber hinaus hat er finanzielle Unterstützung für eine spätere Dokumentation unserer Tagung in Aussicht gestellt.

(Wenn Sie in diesem Augenblick den Eindruck haben sollten, dass die Liste derer, denen zu danken ist, sich doch als ziemlich lang erweist, so kann ich Ihnen diesen Eindruck nur mit Freude bestätigen! Wo viel Licht ist ... wird es gleich etwas heller!)

Nun zur Idee, zur möglichen Bedeutung und zum Ziel dieser Fachtagung:

Angesichts der immer noch dramatisch ansteigenden Zahlen zum Rechtsextremismus in den Statistiken der Verfassungsschutzberichte sind nicht nur die politischen Vertreterinnen und Vertreter des Bundes und der Länder aufgerufen, wirksame Maßnahmen gegen diese Entwicklung zu ergreifen, sondern, wie ich meine, auch wir, die wir in diesem Bezirk leben und arbeiten, - allen voran diejenigen, die Kinder und Jugendliche belehren, betreuen und erziehen. Denn unumstritten ist inzwischen die Erkenntnis, dass gerade in diesem Feld der Kinder- und Jugendarbeit, der Schulen und Ausbildungsstätten eine gezielte Einflussnahme notwendig und möglich ist.
Glücklicherweise belegte Charlottenburg-Wilmersdorf im letzten Jahr mit 12 erfassten Straftaten - von insgesamt 330 in Gesamt-Berlin - eher die hinteren Ränge der Statistik, allerdings mit deutlicher Ballung in Charlottenburg (9 : 3).

Wir tragen heute und hier die Verantwortung dafür, was in unserem Bezirk geschieht, - oder auch nicht geschieht. Im Guten wie im Schlechten. Dafür, in welcher gesellschaftlichen Atmosphäre, in welchem Bewusstsein die jungen Menschen des Bezirkes aufwachsen, mit welcher Haltung sie in die Welt gehen, wie sie anderen begegnen, was ihnen durch andere widerfährt.

Wir tragen die Verantwortung dafür, dass sich alle Menschen dieses Bezirkes sicher fühlen können, dass sie hier unbehelligt von Diskriminierung und unbeschadet durch Gewalt leben können.

Wir tragen die Verantwortung dafür, ob und inwiefern die vorhandenen Modelle und Konzepte - Wissen, das schon längere Zeit bereit steht - in die Einrichtungen der Kinder, - Jugend und Sozialarbeit, in die Bereiche der Erziehung, Bildung, Schule und Ausbildung gelangen.

Vernachlässigen wir jetzt die Entwicklung und Umsetzung neuer pädagogischer, politischer und bildungspolitischer Ansätze und Konzepte, werden wir den Herausforderungen des Rechtsextremismus, der Gewalt und der Fremdenfeindlichkeit nicht gerecht werden können. Das hätte aus meiner Sicht drei nicht zu unterschätzende Konsequenzen:

1. Wir würden denen, die auf unsere Hilfe, unseren Schutz und unseren Beistand hoffen und angewiesen sind, ihrem Schicksal überlassen. Eine, wie ich finde, durch nichts zu rechtfertigende Preisgabe!
2. Wir würden den an uns gerichteten Anspruch als Lehrende und Erziehende, als sozialpädagogisch oder politisch Tätige im Augenblick der größten Notwendigkeit - sehenden Auges - verweigern. Eine nicht minder folgenschwere Preisgabe. Diesmal des höchsten Bildungsauftrages.
3. Schließlich nähmen wir uns selbst die Möglichkeit, auf die uns umgebenden unannehmbaren Umstände zu reagieren und die Situation zu einem Besseren zu wenden. In dem wir nämlich - als Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Prozess des Widerstehens - Handlungsweisen und Strategien erproben, die uns als Menschen und BürgerInnen kräftigen und uns ein neues Potential erschließen. Eine - wenn auch vielleicht weniger auffällige - Preisgabe des demokratischen Kerngedankens dieser Gesellschaft: Das Grundrecht auf Teilhabe & Mitwirkung in allen Bereichen des sozialen und politischen Lebens.

Vergegenwärtigen wir uns nun noch, dass diese Fachtagung im Rahmen der Ringveranstaltung "Charlottenburg-Wilmersdorf: Orte mit NS Vergangenheit, Orte des Widerstands, Transnationale Kultur und Begegnung als Brücke zur Verständigung" stattfindet, eröffnet sich auch die historische Perspektive zur Übernahme von Verantwortung angesichts steigender Ausgrenzungs- und Gewalttendenzen.

Nicht zufällig haben wir als Datum für die heutige Tagung den 9. November gewählt, ein Datum, das wie kein anderes "den Charakter des 20. Jahrhunderts als Epoche radikal vollzogener Umbrüche" sichtbar macht (Peter Steinbach). Denn:
Am 9. November 1918 endete mit dem Ausrufen der Republik das Kaiserreich.
Am 9. November 1923 scheiterte Hitler mit einem Putschversuch in München.
Am 9. November 1938, in der Reichspogromnacht, wurden Hunderte ermordet, tausende Geschäfte jüdischer Menschen zerstört, deren Synagogen in Brand gesteckt.
Am 9. November 1989 fiel die Mauer zwischen Ost und West.

Heute, am 9. November 2001 soll es darum gehen, aufzuzeigen, dass und was wir gemeinsam den rechtsextremen Strömungen entgegensetzen können. Vorhandenes Wissen soll weiter tragen und praktisch erfahrbar gemacht werden.
Deshalb sollen an diesem Tag - regional und thematisch fokussiert - vielfältige pädagogische und (bildungs-) politische Konzepte vorgestellt, diskutiert und gebündelt werden, um Ihnen als Teilnehmerinnen und Teilnehmern neue Impulse, theoretische & praktische Anregungen für Ihre Arbeit mit jungen Menschen an die Hand zu geben.
Ein Ziel besteht also darin, Theorie und Praxis einen fruchtbaren Dialog zu ermöglichen, ein weiteres Anliegen ist den Veranstalterinnen, diesem Dialog über den heutigen Tag hinaus Bestand zu verschaffen.
Deshalb beenden wir die Tagung, in dem wir etwas neu beginnen!
Wir gründen ein Bündnis!
... zu dem ich an anderer Stelle noch ein paar Worte mehr sagen werde.
Und für diejenigen unter Ihnen, die dann immer noch nicht genug haben, steht gekühlter Sekt bereit und - falls nicht bereits geschehen - ist dann der Augenblick gekommen, Visitenkarten zu tauschen.

Uns allen wünsche ich nun eine interessante und anregende, eine inspirierende Fachtagung mit Lust auf: Demokratie. Jetzt!

© (Sz.)
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